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Fish-Dependence-Day: Europa geht der Fisch aus
Jul 09, 2019

Fish-Dependence-Day: Europa geht der Fisch aus

By EJF Staff

Ab heute hat die Europäische Union rechnerisch ihre jährlichen Fisch-Ressourcen aufgebraucht. Das bedeutet: Ab heute ist die EU für den Rest des Jahres ausschließlich auf Einfuhren angewiesen, um die Nachfrage zu decken. Der europäische Fisch-Dependence-Day ist heute rund einen Monat früher als noch im Jahr 2000.

Europa konsumiert deutlich mehr Fisch, als in EU-Gewässern gefangen oder in Fischfarmen gezüchtet werden kann. Die Konsequenz: Über die Hälfte der jährlich konsumierten Menge muss von außerhalb der EU importiert werden - etwa die Hälfte dieser Einfuhren stammt aus Entwicklungsländern.

Extrembeispiel ist Österreich - das erste europäische Land, dem der Fisch dieses Jahr ausgegangen ist: Seit dem 17. Januar ist das eigene Angebot ausgeschöpft. Deutschland schneidet ebenfalls nur mäßig ab: Wir sind bereits seit dem 4. Mai auf Importe angewiesen.

Der europäische Fish-Dependence-Day ist dieses Jahr ungefähr einen Monat früher als noch im Jahr 2000. Vor dreißig Jahren konnte Europa die Nachfrage nach Fisch sogar noch bis September oder Oktober aus heimischen Gewässern decken.

Illegale Fischerei und Überfischung gefährden die weltweite Ernährungssicherheit. Um das zu beenden und Verbraucher*innen dabei zu unterstützen, nachhaltige Entscheidungen zu treffen, muss die Transparenz innerhalb des Fischereisektors deutlich verbessert werden.

Obwohl sich einige europäische Fischbestände aufgrund von Maßnahmen im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik der EU stabilisiert haben, sind immer noch zu viele Bestände überfischt und auch die Selbstversorgung der EU fällt nach wie vor zu gering aus: Nach Angaben der EU-Kommission gelten 41% der untersuchten Fischbestände im Atlantik als überfischt. Diese Zahl liegt im Mittelmeerraum sogar bei 88%. Überfischung betrifft auch die Fischbestände in Entwicklungsländern, die auf diese wertvolle Ressource angewiesen sind.

„Überfischung und illegaler Fischfang zerstören die marinen Ökosysteme und beeinträchtigen die Ernährungssicherheit auf der ganzen Welt“, so Steve Trent, EJF-Geschäftsführer. „Transparenzmaßnahmen, wie sie in der EJF-Charta für Transparenz beschrieben sind, würden es Unternehmen und Verbraucher*innen ermöglichen, auf legalen, nachhaltigen und ethischen Fisch zurückzugreifen und der illegalen Fischerei sowie damit häufig einhergehenden Menschenrechtsverletzungen ein Ende zu bereiten. In Europa sind wir stark von Fischimporten abhängig, insbesondere aus Entwicklungsländern. Die EU sollte daher eine führende Rolle bei der Förderung von Transparenz und Nachhaltigkeit weltweit einnehmen.“

Durchschnittlich konsumiert jeder europäische Bürger pro Jahr 22,7 kg Fisch und Fischprodukte. Portugal (55,3 kg), Spanien (46,2 kg), Litauen (44,7 kg), Frankreich (34,4 kg) und Schweden (33,2 kg) weisen die höchsten Werte in der EU auf. Zusammen machen diese fünf Länder etwa ein Drittel des EU-Fischkonsums aus.

Nur vier Länder produzieren so viel oder mehr als sie verbrauchen (Kroatien, die Niederlande, Irland und Estland). Die überwiegende Mehrheit der EU-Länder hingegen ist auf Fischimporte angewiesen.


Mehr Informationen:

  • Die EJF-Charta für Transparenz fordert Staaten weltweit dazu auf, zehn Grundprinzipien zur Sicherung globaler Transparenz im Fischereisektor zu befolgen
  • Hier geht es zu unserem Hintergrundbericht: Aus dem Schatten ans Licht - Mehr Transparenz in der weltweiten Fischerei, um die illegale, nicht gemeldete und umregulierte Fischerei zu unterbinden
  • Unser Kurzfilm zu globaler Transparenz im Fischereisektor (in englischer Sprache)